Juni 2023 | 1. – 14. Juni

Pizzakartons und Kaffeebecher: Tübingen siegt gegen McDonald’s. Verschärftes Asylverfahren: Warum die deutsche Innenministerin Nancy Faeser Krokodilstränen vergießt. Reisebericht: Malreise nach Korfu.


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Inhaltsverzeichnis

Weniger Verpackungsmüll

Vor der schlechten zunächst die gute Nachricht: Tübingen ist bald Verpackungs-müllfrei. Die kleine Uni-Stadt am Neckar hat künftig mit weniger Müllbergen aus Pizzakartons, Pommesschachteln und Kaffeebechern zu kämpfen. Wer in Tübingen Einwegverpackungen oder Einweggeschirr an Kunden ausgibt, muss 50 Cent Steuer pro Stück bezahlen, für Einwegbesteck 20 Cent. 

Die Steuer gilt eigentlich seit Januar 2022. Aber wurde bislang nicht erhoben, weil die örtliche McDonald’s-Filiale dagegen geklagt hatte. Doch jetzt, im Revisionsverfahren, erklärt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Steuer im Wesentlichen für rechtmäßig. Ein Sieg für den umstrittenen OB Palmer und die Umwelt. 

Und ein Vorbild für andere Städte, die nun dem Tübinger Beispiel folgen und selber eine Verpackungssteuer erheben können. Pro Jahr werden in 5,8 Millionen Getränkebecher und 4,3 Millionen Essensboxen nach Gebrauch weggeworfen. Wird auch Zeit, diese Wegwerf-„Kultur“ zu beseitigen.

Verschärfte Asylregeln

Mehr Zäune, mehr Abschiebungen, Aufnahmelager an den Rändern Europas. In diesen haftähnlichen Asylzentren soll im Schnellverfahren geprüft werden, wer überhaupt Chancen auf Asyl hat. Menschen ohne Bleibeperspektive werden umgehend zurückgeschickt. 

Im Klartext: Noch mehr Abschreckung, noch mehr Festung. Abschied von den Menschenrechten. Trotzdem feiern sich die europäischen InnenministerInnen für den „Asylkompromiss“. Ein Armutszeugnis! Ein Schande für eine Gemeinschaft, die einmal stolz auf ihre Werte war, wie etwa den Schutz der Menschenwürde, Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz und Freizügigkeit. 

Die Festung Europa wird immer weiter hermetisch abgeriegelt und abgeschottet. Das Asylrecht ist praktisch tot. Genauso wie die 1000 Menschen, die bereits in diesem Jahr im Mittelmehr auf ihrer Flucht nach Europa ertrunken sind.

Am Arsch vorbei

Die jüngsten Beschlüsse der EU-InnenministerInnen zeigen, wie sehr ganz Europa die Menschenrecht am Arsch vorbei gehen. Mit dabei Deutschland. Die deutsche Regierung offenbart, dass ihre bisherige humanitäre Haltung lediglich eine Tarnkappe war. 

Jetzt kommt die hässliche Fratze einer restriktiven unmenschlichen Politik hervor. Ganz nebenbei bricht die Ampelkoalition mal wieder mal ein Versprechen. Statt die Standards für Schutzsuchende in der EU und in Deutschland zu verbessern, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, stimmt sie massiven Asylrechts-Verschärfungen zu.

Alter Hut

Allen voran Innenministerin Nancy Faeser, der Breitmaulfrosch der SPD. Als sie ihr Amt antrat, tat sie menschfreundlich, warb für humanitäre Migration. Jetzt hält sie hohe Mauern und Zäune als Teil der Lösung für die Migrationsfrage. 

Sie hat den alten restriktiven Plan Seehofers aus der Versenkung geholt, der schon 2016 die Asylverfahren an den Außengrenzen der EU abhandeln wollte. Genau das soll jetzt umgesetzt werden und genau das bezeichnet Faeser als historischen Kompromiss. 

Stolz ist Faeser darauf, dass es endlich gelungen sei, sich auf eine verbindliche Umverteilung der Asylbewerber in Europa zu einigen. Allerdings von Einigung kann keine Rede sein. Neben Deutschland und Frankreich werden sich nicht viele andere Staaten an der Umverteilung beteiligen, sondern weiter blockieren. 

Der Hammer: Staaten, die partout keine Flüchtlinge aufnehmen wollen wie Ungarn und Polen, können sich freikaufen. 20 000 Euro pro Flüchtling. So als wären Menschen eine Ware. Zynisch und menschenverachtend ist das. 

Krokodilstränen

Als wäre das falsche Selbstlob für den „Asylkompromiss“ nicht genug, vergießt die herbe Innenministerin auch noch Krokodilstränen: Faeser beklagt heuchlerisch, dass sie nicht durchsetzen konnte, dass Familien mit Kindern von den Grenzverfahren ausgenommen werden sollen. 

Genau so scheinheilig: Unsere liebenswürdige Außenministerin Baerbock, der Kinder und Familien doch so am Herzen liegen, rechtfertigt den „Asylkompromiss“ damit, dass mit ihm „Schlimmeres“ verhindert worden sei. „Es war die einzige Chance, im festgefahrenen EU-Asylstreit auf absehbare Zeit zu einem geordneten und humanen Verteilungsverfahren zu kommen.“ Human? Welch ein Hohn!

Grüne Zerreißprobe

Kein Wunder, wenn jetzt die Grüne Parteibasis fassungslos ist und Zeter und Mordio schreit. Rüttelt doch der verschärfte Asylkurs an den grünen Grundüberzeugungen. Ich denke jedoch nicht, dass der Asylkompromiss die Grünen zerreißen wird. Mehr als ein gewaltiger Sturm im Wasserglas ist nicht drin. 

Die Parteibasis wird den Teufel tun, es in der jetzigen Schwächephase der Grünen auf eine Machtprobe mit der Parteispitze ankommen zu lassen. Außerdem muss der Asylkompromiss noch vors Europaparlament in Straßburg. Das hat ein Mitspracherecht und wird in den kommenden Monaten mit Vertretern der EU-Staaten über die Reform verhandeln. Ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht.

Aber auch da sind die Grünen nur eine klitzekleine Minderheit. Wenig Chancen für mehr Menschlichkeit. Trotz allem bleibt es dabei: Der einzige Weg für Europa, menschenwürdig mit Flüchtlingen umzugehen, ist es, Chancen und Wege für legale Migration zu schaffen.

Angst vor der AFD

Natürlich hat die Bundesregierung dem „Asylkompromiss“ der EU-InnenministerInnen zugestimmt, und zwar aus zwei Gründen. Sie will endlich wieder einen Erfolg. Wenn es schon in der Klimapolitik, Stichwort Heizungsgesetz, nicht klappt. Dann wenigstens außenpolitisch.

Ein Coup, der aber auch innenpolitisch seine Wirkung haben soll. Das Umfragehoch der rechtsextremistischen AFD ist schon mehr als besorgniserregend. Vor allem, wenn man aus den Umfragen weiß, dass die verschleppte Asylpolitik das Hauptthema ist, dass die potentiellen AFD-Wähler umtreibt. 

Es ist natürlich notwendig zu verhindern, dass die Rechtsextremen nicht noch mehr Zulauf bekommen. Aber doch nicht so, in dem man das bedient, was sie fordern und wollen. Noch mehr Abschottung und Abschiebung. Am besten Ausländer raus, beziehungsweise gar nicht erst rein! Das ist die falsche, menschenunwürdige Politik.

Nichts gelernt

Jetzt rächt sich, dass man aus den Flüchtlingswellen 2015/16 nicht gelernt hat und nichts gemacht hat. Und das, obwohl klar ist, dass sich an den Fluchtursachen nichts geändert hat. Sondern es werden künftig noch mehr Menschen vor Verfolgung, Krieg, Trockenheit und Hunger nach Europa fliehen. 

Es wurden bei uns in Deutschland weder ausreichend Strukturen geschafft, um Schutzsuchende menschenwürdig unterzubringen, noch die Verfahren der Bearbeitung von Asylanträgen beschleunigt. Schon im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Asylanträge in Deutschland um 52 Prozent auf 220 000 an. Und in den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es doppelt soviel als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres.

Hoffentlich digital!

Und dann kommt die enorme Zahl von 1,1 Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine hinzu, die ebenso untergebracht werden müssen. Kein Wunder, wenn da viele Kommunen und  Landkreise an die Grenzen des Machbaren angelangt sind. 

Es sind zwei dicke Fehler, beziehungsweise Versäumnisse, die die Politik macht. Erstens: Viel zu lange haben Bund, Länder und Kommunen getrennt von einander vor sich hin gewurstelt. Und viel zu spät, erst im April dieses Jahres, sind die drei Organe auf den Trichter gekommen, zusammenzuarbeiten.

Gemeinsame Arbeitsgruppen sollen sich von nun an um Unterbringung und Finanzierung kümmern sowie um Kitas und Schulen, Spracherwerb und Rückführung. Auf einem sogenannten Dashboard – hoffentlich digital – sollen die Verantwortlichen entnehmen, wo die Unterbringungssituation gerade besonders schwierig, beziehungsweise wo Aufnahmekapazität ist. Hoffentlich klappt die Zusammenarbeit besser als zu Corona-Zeiten.

Profitgier

Das Bundesbauministerium hat jetzt bekannt gegeben, dass bundesweit 1,6 Millionen Wohnungen leer stehen. Wahnsinn! Dann haben wir wohl kein Unterbringungsproblem, sondern eher ein Logistik- und Verteilungsproblem.

Natürlich gibt es Gründe für Eigentümer, ihre Immobilien leer stehen zu lassen. Meistens die Gier nach noch mehr Profit bei steigenden Mieten und Immobilienpreisen. Wohnungen, die nicht genutzt werden – das sollte verboten werden. Klar, schwierig, weil Privateigentum im Kapitalismus heilig ist. 

Dennoch sollten Länder und Kommunen die rechtlichen Möglichkeiten prüfen, ob leerstehende Wohnungen vorübergehend mit Schutzbedürftigen belegt werden können – gegen Entschädigung der Eigentümer.

Containerdorf

Entscheidend bei größeren Wohnanlagen für Geflüchtete wird aber sein, frühzeitig die Bürger einzubinden, sie rechtzeitig und umfassend zu informieren. Nur wer offen und einsichtig kommuniziert, hat die Chance, Vorurteile und Ressentiments abzubauen. Damit nicht das passiert, was im mecklenburgischen Uphal geschieht.

In dem 500 Seelen-Dorf hat der Kreistag beschlossen, auf der grünen Wiese ein Containerdorf für 400 Geflüchtete zu bauen. Kein Wunder, dass da die Wutbürger Stimmung machen und die Bildzeitung gleich hinterher ätzt. Das Verhältnis zwischen Einwohner und Geflüchteten muss stimmen, darf nicht überstrapaziert werden.

Können wir uns Alte leisten?

Zum Verhältnis, beziehungsweise zur Relation zwischen Bevölkerung und Geflüchteten muss ich angesichts der unwürdigen Diskussionen wie „Unser Boot ist voll“, und „Können wir uns noch mehr Flüchtlinge leisten“, etwas Grundsätzliches sagen. 

Der Journalist Ronen Steinke hat Recht damit, dass allein schon die Frage, sich etwas leisten können wie Schutzbedürftige aufnehmen, ethisch fragwürdig und falsch ist. Mit der gleichen Logik müsste man fragen, ob wir uns alte Menschen oder chronisch Kranke leisten können. Da sieht man, wie schräg und unwürdig eine solche Diskussion ist.

Luft nach oben

So und jetzt zu den Fakten: In Wahrheit ist die Zahl an Flüchtlingen, die wir aufnehmen, verschwindend gering im Vergleich zu unserer Bevölkerungszahl. Die eine Million Flüchtlinge, die in den Jahren 2015/16 zu uns kamen, macht gerade mal 1,25 Prozent von unseren 80 Millionen aus. Wenn wir eine Million ukrainische Flüchtlinge hinzuzählen, kommen wir gerade auf 2,5 Prozent. 

Das ist lächerlich gegenüber Ländern wie Jordanien, Libanon und der Türkei. Der Libanon hat nur fünf Millionen Einwohner, hat aber knapp eine Million Flüchtlinge zu versorgen. Das sind 20 Prozent! Verdammt viel für ein Land, das gerade im Chaos versinkt. 

Das kleine Jordanien mit elf Millionen Einwohnern kommt auf 700 000 Flüchtlinge, insgesamt sechs Prozent der Bevölkerung. Den Spitzenplatz nimmt die Türkei ein, die sage und schreibe vier Millionen Flüchtlinge in ihr Land gelassen hat. Das entspricht fünf Prozent. Ihr Anteil ist also doppelt so hoch wie der deutsche. Und dann sage noch einer, unser Boot ist voll! Wie haben vergleichsweise noch Luft noch oben!

Pflegenotstand

Wir Deutschen haben zudem das Glück, in der Mitte Europas zu leben. Und nicht am Rand. Sonst würden auch uns Mauern und Grenzzäune umringen, die uns vor vermeintlich ungebetenen Flüchtlingen schützen. Dabei merken wir gar nicht, wie wir uns selber ins Fleisch schneiden. An jeder Ecke und Kante fehlen Fachkräfte. Besonders in der Pflege. 

Ich sehe mit Grausen den Tag kommen, an dem ich in meinem Exkrementen im Pflegeheim liege, weil niemand da ist, mir den Hintern abzuwischen. Eine überalterte Gesellschaft wie die deutsche ist besonders auf Zuwanderung angewiesen, trotzdem wehrt sie sich gegen Veränderung. Paradox!

Wir schieben selbst Flüchtlinge ab, die bei uns ausgebildet und integriert sind und in der Altenpflege oder der Gastronomie arbeiten. Ein Unding! Wir haben uns eingerichtet in einer satten Hängematte des Wohlstands. Und wir blenden aus und verdrängen, das Europa als Mit-Verursacher der Klimakrise in der Pflicht steht, flüchtenden Menschen so viel Hilfe wie möglich zu gewähren. 

Das muss sich ändern. Aber ich bin pessimistisch, ob die Mehrheitsgesellschaft so einsichtig ist und bereit ist abzugeben und zu verzichten.

Malreise: Start mit Verzögerung

Malreise nach Korfu: Anreise per Bahn zum Frankfurter Flughafen ohne Problem und ohne Verspätung. Dort klappte anfangs auch alles wie am Schnürchen. Keine Wartezeit am Schalter, keine Schlangen bei der Sicherheitskontrolle. Noch 30 Minuten bis zum Boarding. 

Dann plötzlich die Hiobsbotschaft. Lautsprecher-Durchsage: „Ihre Abflugzeit verzögert sich um zweieinhalb Stunden.“ 19.30 statt 17 Uhr. Grund. Probleme mit dem Flugzeug, das nach Korfu fliegen soll. Ein Ersatzflugzeug muss her. 

Zweieinhalb Stunden warten. Merkwürdig, dass das so lange dauern soll. Aber es ist, wie es ist. Warten. Zeit totschlagen ist angesagt.

Nervensache

Aber erstmal beschäftigt und beunruhigt mich etwas anderes. Der Shuttle-Bus, den ich reserviert habe. Wird er am Flughafen in Korfu Stadt warten? Oder muss ich ein teures Taxi zum Hotel nehmen. Und das Hotel? Aus den Unterlagen geht hervor, dass der Empfang nur bis 20 Uhr besetzt ist. 

Jedoch werden wir kaum vor 22.30 Uhr auf Korfu landen. Hektik und Unsicherheit. Anruf beim Shuttle-Unternehmen auf Korfu. Dreimal wird die Verbindung unterbrochen. Dann komme ich durch. Die Dame am Telefon beruhigt mich. Kein Problem. Der Shuttle wird klappen. 

Nächster Anruf beim Hotel. Auch hier gute Nachrichten. Nach 23 Uhr wird das Check-in kein Problem sein. Also Nerven beruhigt. Dazu trägt auch ein Verzehrgutschein von Condor in Höhe von acht Euro bei. Dann endlich Boarding.

Drei Passagiere fehlen

Jedoch aus der veranschlagten Abflugzeit wird es wieder nichts. Durchsage im Flugzeug.  „Wir müssen noch auf drei Passagiere warten.“ Unmut und Murren bei vielen Passagieren. Wie kann das sein bei so viel Wartezeit? Nach einer Viertelstunde ist klar, die drei  Nachzügler kommen nicht. 

Ihr Gepäck muss jetzt im Bauch des Flugzeugs gesucht und ausgeladen werden. Noch mal Verzögerung. Dann geht es endlich los. Flugzeit zwei Stunden. 23 Uhr landen wir auf Korfu (Zeitverschiebung eine Stunde). Und tatsächlich. Es klappt jetzt alles wider Erwarten. Der Shuttle ist da, leider müssen wir nochmal 20 Minuten auf andere Passagiere warten. 

Dann geht die wilde Fahrt los. Erst durch schmale Gassen in Korfu-Stadt. Dann über scheinbar noch engere Landstraßen durch die Pampa. Es ist zappenduster und hügelig. Die Straße windet sich in Serpentinen auf und ab. Der Bus rast. Mir wird mulmig. Nach 30 Minuten stoppt der Bus vor dem Hotel. Angekommen. Check-in ohne Probleme.

Agios Gordios

Agios Geordios ist ein typischer griechischer Ferienort. 80 Einwohner normal im Winter. 5000 Touristen im Sommer. Langer Sandstrand. Eine Taverne nach der anderen. Weißblaue Sonnenschirme und Strandliegen. Eine Holzplanken-Strandpromenade schützt davor, sich die Füße im heißen Sand zu verbrennen. Ins Dorf führt eine einzige Straße, die sich vom  hohen Küstengebirge hinunter schlängelt. 

Eine Boutique reiht sich an der Dorfstraße an die andere, dazwischen Restaurants und Schnellimbisse. Zwei, drei Hotels. Dafür eine Unmenge an Appartementhäusern. Bemerkenswert: Es gibt an der Dorfstraße fünf Supermärkte. Außer den wenigen Touristen kauft dort jedoch kaum ein Grieche ein. Kein Wunder, die Preise sind gesalzen. Egal, ob Obst, Milch, Fruchtsäfte – alles doppelt so teuer wie bei uns. 

Vermutlich machen die Supermärkte ihr Geschäft in der Hauptsaison im Sommer mit den Touristen, die in den Apartmenthäusern logieren. Die sind erfreulicherweise im griechischen Stil erbaut und passen sich der Dorf-Architektur an. Unschöne Ausnahme: Das Hotel La Grotta Verde, ein länglich grauer 5-Sterne-Betonkasten, der stufenförmig in den Hang geschnitten ist. 

Bizarr: In den oberen Etagen haben die Zimmer einen 2×2-Meter kleinen Pool vor dem Fenster mit Blick aufs Meer. Wozu der dient, ist mir nicht klar. Schwimmen kann man darin nicht. Höchstens die Füße kühlen. Möglicherweise ein Whirlpool, wie ihn die überwiegend betuchte Klientel gewohnt ist.

Malen im Restaurant

Wir wohnen in einem der wenigen Hotels direkt am Strand. Das habe ich über das Malreisenbüro Gerd Ruhland gebucht. Der Künstler ist mit seinen Malschülern Stammgast hier, mindestens seit zehn Jahren. Morgens nach dem Frühstück verwandelt sich das Restaurant in ein Mal-Atelier. 

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das die Wirtin, eine Deutsche, gerne sieht. Aber auf die regelmäßigen Einkünfte in der Vorsaison verzichtet sie sicherlich ungern. Also macht sie gute Miene, auch wenn es ihr schwerfällt. Sie hat einen eigenwilligen Charakter, lächelt selten, ist streng mit den Gästen. 

Zum Beispiel, wenn sie Anweisung gibt, die nackten Füße doch bitte schön richtig sauber vom Sand zu befreien, bevor man aufs Zimmer oder ins Restaurant geht. Schon ok. Aber manchmal macht der Ton die Musik. Anerkennend muss ich festhalten, dass das Hotel, die Zimmer und das Restaurant stets blitzblank sauber sind.

Mäuse-Insel

Erstes Malmotiv: der imposante pyramidenförmige Felsen, der unweit vom Strand Wache hält. Besonders markant die unterschiedlichen Licht- und Schattenflächen in der Morgen- und Abendsonne. Ein weiteres Motiv: die eindrucksvolle, schneeweiße Kapelle auf der Mäuseinsel Pondikonisi. Sie heißt so, weil ihre Form angeblich von oben wie eine Maus  aussieht und die Treppe zur Kapelle wie ein Mäuseschwanz. 

Nicht einfach, die Perspektive der unterschiedlichen Bauabschnitte richtig zu skizzieren. Noch schwieriger: das Motiv der Kirche der Heiligen Jungfrau Maria von Karmel in Korfu-Stadt. Ansteigende Straße. Also Froschperspektive, unterschiedliche Dachschrägen, Glockenturm und daneben eine imposante Kuppel. Zunächst eine Skizze. Das Motiv bringe ich am nächsten Tag in mehreren Varianten aufs Aquarellpapier.

Quirliges Kerkyra

Korfu-Stadt oder wie die Einheimischen sagen, Kerkyra, finde ich gar nicht so malerisch und prächtig, wie sie in den Reiseführern angepriesen wird. Eine Stadt wie andere Hafenstädte am Mittelmeer auch. Die Altstadt gepflastert mit glatten Marmorsteinen. Enge verwinkelte Gassen, durch die sich die Touristenmassen quälen. Boutiquen, Souvenirläden, Tavernen, Eiscafes. Quirlig und laut. 

Ruhe findet man höchstens in dem kleinen Wäldchen auf der Esplanade, einem riesigen parkähnlichen Platz am östlichen Rand der Altstadt. Gegenüber liegt die alte Festung, eines der wenigen Highlights in Kerkyra. Errichtet von den Venezianern auf einem vorgelagerten Kalkfelsen und von den Engländern später ausgebaut und mit Schutzwällen umgeben.

Schweißtreibend der Aufstieg auf den höchsten Punkt der Felsen-Festung. Aber es lohnt sich. Von der Plattform unterhalb des historischen Sideres-Leuchtturms hat man einen traumhaften Blick über Korfu und den Hafen – bis nach Albanien.

Prächtiges Panorama

Die zweite Woche ziehen wir um, vom Hotel am Strand in ein Appartement am Hang oberhalb des Dorfes. Panorama-Apartment heißt das Domizil. Der Name ist berechtigt, bietet sich doch von hier oben ein prächtiger Blick auf die Bucht. 

Leider ist das Apartment nicht ganz so prächtig. Das Bad winzig. Man muss das Wasser fünf Minuten laufen lassen, bis es warm genug ist, um zu duschen. Aber irgendwie gewöhnt man sich an alles. 

Nervig und sind allerdings die überlauten Motorräder und Quads, mit denen motorverliebte Touristen respektlos über die kurvigen und engen Gebirgsstraßen brettern. Übrigens habe ich während des gesamten Aufenthalts auf Korfu weder ein Elektroauto noch eine Strom-Tankstelle gesehen. Da ist noch viel Luft nach oben.

Trail-Abenteuer

Als Ausgangspunkt für Wanderungen im Hinterland macht die Unterkunft in jedem Fall Sinn. Beispielsweise für die Tour nach Sinarades, eine von vier Wanderungen, die wir unternehmen. Der teils betonierte, teils asphaltierte Weg führt zunächst eben in etwa hundert Meter Höhe parallel zum Meer. 

Fantastische Aussicht. Mediterrane Landschaft pur. Vorbei an Feigenbäumen, Zypressen, Pinien und uralten Olivenbäumen. Deren Äste wachsen zum Teil kreuz und quer über unseren Köpfen, umschlingen die Stromleitungen. Dann ist es mit dem gemütlichen Teil vorbei. Der Trail führt jetzt steil den Hang hinauf. Verdammt steil. Es ist kein Wandern mehr, eher Klettern und Kraxeln über Felsbrocken und Baumwurzeln. 

Der Schweiß rinnt, die Muskeln brennen. Ich merke, dass ich noch lange nicht meine alte Kondition wiedergefunden habe. Noch zu wenig Kraft im linken Bein. Kein Wunder, die letzte Op ist gerade Mal acht Wochen her. Alle 20 Minuten muss ich Pause machen, da die Leiste oder Hüfte beginnen zu schmerzen. 

Aber ich bin froh, dass ich überhaupt wandern kann. Wanderstöcke sind jedoch unverzichtbar. Oft ist der Trail glitschig und schmal, gerade hier helfen die Stöcke. Höhenangst sollte man hier nicht haben. Der Blick in die Tiefe abenteuerlich.

Sinarades

Oben angekommen, staunen wir über den traumhaften Blick. Das Meer unten glitzert azur-silbern in der Sonne. Atemberaubende Stille. Es gibt zwei Häuser. Neben einem lockert eine ältere Frau die Erde in ihrem Gemüsegarten. Sie erwidert mein „Kali Mera“, indem sie kurz den Kopf hebt, dann arbeitet sie weiter. 

Verblüffend, es gibt tatsächlich zwei Kapellen in dieser Einsamkeit. Der befestigte Weg in Richtung Sinarades mündet überraschend in ein Privatgrundstück. Auf einem schmalen Feldweg geht’s dann doch weiter. 

Sinarades ist einer der typischen alten korfiotischen Dörfer. Runder offener Dorfplatz. Bröckelnder Charme der Häuser. Manche stehen zum Verkauf. Und natürlich zwei Tavernen sowie zwei Kirchen. Fazit: zwei erholsame und entspannte Wochen. Viel gelernt in der ersten Malwoche. Viel gewandert und gesehen in der zweiten Woche.

3 Antworten

  1. Sag mal, lebst du auch dem Mond? Hast du nicht im Fernsehen die vollen Turnhallen gesehen? Voll mit Asylanten. Die nehmen unsern Schülern und Sportvereinen die Trainingsmöglichkeiten weg Und überhaupt liest du keine Zeitung? Sonst würdest du wissen, dass die meisten Flüchtlinge kriminell sind. Sie machen laut Statistik sechsmal so häufig Totschlag und Vergewaltigungen wie deutsche Leute. Das ist nicht gut. Die an der Grenze sollen genau aufpassen, wen sie reinlassen. Die die arbeiten wollen sind gut. Die anderen sollen draußen bleiben.

  2. Beide Politikerinnen sind weder scheinheilig noch heuchlerisch, sondern machen hervorragende Arbeit! Annalena Baerbock und Nancy Faeser blieb gar nichts anderes übrig als dem Asylkompromiss zuzustimmen. Sie hatten nur Luxemburg und Portugal an ihrer Seite. 3 gegen 24 Staaten. No Chance! Die jetzt erzielte gesamteuropäische Einigung hat Schlimmeres verhindert. Nämlich das Ende von Schengen, also das Ende von europäischer Freizügigkeit, was die Errichtung von Schlagbäumen und Zäunen an jeder europäischen Grenze zur Folge hätte. Das haben Baerbock und Faeser begriffen, nur die linksversiffte Basis der Grünen nicht. Und auch du nicht, du linksgrünversiffter Blogger!

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